Masterclass für Opernliebhaber und Opernverächter

Niemals ins Leere singen

Kurzweilig: Michael Hampes Benefiz-Abend für Opernnachwuchs

Kann man sich einen berufeneren Anwalt als Michael Hampe vorstellen?
Der Regisseur, der von 1975 bis 1995 Opernintendant in Köln war, gestaltete auf Initiative des Vereins der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik und Tanz einen kurzweiligen Benefiz-Abend für "Opernliebhaber und Opernverächter".
Die Frankonia Eurobau AG, verantwortlich für den Umbau des Gerling-Quartiers zum noblen Wohnviertel, hatte dafür den edel ausgestatteten "Venezianischen Saal" zur Verfügung gestellt. Hier gewährten Hampe und seine Studenten bei Ausschnitten aus den Mozart-Opern "Le Nozze di Figaro" und "Die Zauberflöte" einen Blick auf die Probebühne.
"Jede Komödie ist nur um Milimeter von der Tragödie entfernt", versicherte der kundige Moderator den 200 Besuchern, denen er zugleich eine kurzweilige Lehrstunde im Inszenieren zuteil werden ließ.
"Hindernisse schaffen Ausdruck", weiß der Regisseur aus langjähriger Erfahrung und lieferte höchstselbst auch gleich den Beweis für seine These. Und noch etwas gibt er seinen Schützlingen mit auf den Weg: "Jeder Ausdruck hat eine Adresse, und wenn es das grüne Notausgangslicht ist".
Die großartigen jungen Sänger haben indes längst gelernt, "dass man nicht ins Leere singen sollte", wie sie eindrucksvoll bewiesen. Begleitet von Yoshiko Hashimoto und dem vom Klavier aus dirigierenden Stephan Wehr, erfreuten die Studenten mit ausgewählten Duetten und Terzetten und lebhafter Gestaltung.
Besonders bezaubernd gelang das Duett zwischen Susanna (Meera Verghese) und Contessa (Mi-Kyung Kwon) im "Figaro". Auch bei Auszügen aus der "Zauberflöte" zeigte sich, dass man sich um den Nachwuchs keine Sorgen machen muss: Mit dem prächtigen Quintett zwischen Tamino, Papagena und den drei Damen und dem beliebten Duett "Ein Mädchen oder Weibchen" dürfte auch der letzte Opernverächter bekehrt worden sein.

 

Michael Hampe wurde 1935 als Sohn eines Architekten in Heidelberg geboren wo er auch die Schule besuchte. Er verbrachte ein Jahr in den USA, wo er an der Syracuse University Musik (Cello) studierte.

Michael Hampe erhielt seine Ausbildung als Schauspieler an der Otto Falckenberg Schauspielschule in München. An den Universitäten Heidelberg, München und Wien studierte er Theater- und Musikwissenschaft. promovierte mit einer Arbeit über die Entwicklung der Bühnentechnik.

Anschließend arbeitete Michael Hampe als Schauspieler und Regisseur an deutschen und schweizer Theatern. 1965 wurde er Vizedirektor des Schauspielhauses in Zürich, an dem er als Regisseur mit bedeutenden Autoren wie Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt und Arthur Miller sowie mit großen Schauspielerpersönlichkeiten wie Mathias Wiemann, Willy Birgel und vielen anderen namhaften Darstellern in zahlreichen Aufführungen klassischer und moderner Stücke zusammenarbeitete.

Außerdem begann er – was für ihn als ausgebildeter Musiker nahe lag – in der Oper Regie zu führen. Am Zürcher Opernhaus inszenierte er u. a. die Uraufführung von Heinrich Stutermeisters „Madame Bovary“ mit Anneliese Rothenberger in der Titelpartie. Daneben inszenierte Michael Hampe in München an der Bayerischen Staatsoper und dem Staatsschauspiel. Von 1972 – 1975 war Michael Hampe Intendant des Nationaltheaters Mannheim, wo er außerdem einen Lehrauftrag an der Staatlichen Musikhochschule hatte. 1975 wurde er Intendant der Oper der Stadt Köln, eine Position, die er 20 Jahre bis 1995 innehatte. Unter seiner Leitung wurde die Kölner Oper eines der führenden europäischen Musiktheater. Zahlreiche Ur- und Erstaufführungen, die großen Zyklen (Mozart, Rossini, Janacek, Britten) unter Mitwirkung berühmter Interpreten kennzeichneten die Ära Hampe in Köln. Viele Fernsehübertragungen und Gastspiele in den Musikzentren aller Kontinente machten die Kölner Oper unter Michael Hampes Leitung in aller Welt bekannt.

Außerdem war Michael Hampe ein Jahrzehnt Direktoriumsmitglied der Salzburger Festspiele, für die er als Regisseur Inszenierungen in Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan, Riccardo Muti und Hans Werner Henze schuf (u. a. den Zyklus der drei Mozart – da Ponte – Opern zu Mozarts zweihundertstem Todesjahr 1991).

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm Michael Hampe 1992 die Leitung der Dresdner Musikfestspiele, denen er zu neuer internationaler Geltung verhalf.

Als Regisseur ist Michael Hampe in aller Welt in den großen Opernhäusern tätig. Inszenierungen an der Mailänder Scala, der Royal Opera Covent Garden, London, der Pariser Oper, ebenso wie in fast allen Ländern Europas, in den USA und in Südamerika, in Japan und Australien, sowie bei bedeutenden internationalen Festivals (Salzburg, Edinburgh, Florenz, Pesaro). Viele seiner Produktionen wurden für das Fernsehen verfilmt und in aller Welt ausgestrahlt. Die Zahl seiner Inszenierungen beläuft sich bis heute auf über zweihundertsechzig.

Gelegentlich zieht es Michael Hampe auch wieder zu seinem ursprünglichen Metier des Schauspielers. Immer wieder einmal war er in verschiedenen Rollen im Fernsehen zu sehen.

Michael Hampe ist darüber hinaus intensiv pädagogisch engagiert und widmet einen Teil seiner Tätigkeit der Erziehung und Förderung des Nachwuchses auf allen Gebieten des Theaters. Als Professor an der Kölner Musikhochschule lehrt er ebenso wie an zahlreichen Universitäten und Akademien des In- und Auslands.

Michael Hampe ist außerdem ein gesuchter Theaterbau-Experte und war Vize-Präsident der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft. Sein Rat ist bei großen Theater-Neubauten wie der Pariser Opèra Bastille oder dem Japanischen Nationaltheater Tokyo ebenso gefragt wie bei Renovierung und Modernisierung älterer Theater.

Sein Wissen und seine Erfahrung haben in zahlreichen Publikationen zu grundlegenden künstlerischen, wissenschaftlichen und betrieblichen Fragen das Theaters ihren Niederschlag gefunden sowie in Büchern: „Michael Hampe, Oper in Köln 1975 – 1995“ und „Alles Theater – Reden und Aufsätze“ (beide im Wienand Verlag, Köln).